Aus dem Walliser Bote vom 14.09.2009 (Autor: Lothar Berchtold)
Sven Epinard war es nicht . . . Fein essen und sich mörderisch gut unterhalten lassen: «Killer Casting» im «Staldbach» machte es möglich Manchmal braucht es wirklich wenig und schon hast du eine neue Identität. Mir passierte dies Samstagabend im «Staldbach»: Ein Ballon Johannisberger bloss, und schon verpasste mir eine Nonne einen neuen Namen: «Livio Schreiner». Was an sich nichts Schlimmes ist. Aber dass dieser Namenswechsel mit der Ernennung zum «Partykönig von Niederbipp» verbunden war ich empfands als Verbrechen. Was übrigens bestens zu jenem Abend passte, den mich da mit zahlreichen Gästen in diesem Feinschmeckerlokal erwartete: Wir alle sollten Zeugen von Morden werden, das theatralische «Killer Casting» war angesagt.
Einen tröstlichen Hinweis entdeckte ich immerhin schon zu Beginn des mörderischen Abends: Mein «Mord-Faktor» war mit «ziemlich gering» angegeben. Und was ich mir sehnlichst erhoffte, als ich von der Bar an den Tisch schritt: Hoffentlich muss ich nicht irgendetwas reden geschweige denn vortanzen. Bei Castings ist doch bekanntlich nicht mal das Publikum sicher vor Entblössungen der peinlichen Art.
Was «Killer Casting» all den Gästen versprochen hatte: Vier Gänge kulinarische Köstlichkeiten aus der «Staldbach»-Küche, garniert mit einem mörderischen Spektakel, dargeboten von vier Schaupielerinnen und -spielern in mehr als einem Dutzend Rollen. Und bevor das «Salatbouquet mit einer Rehfilet-Wildterrine» den Weg auf den Tisch gefunden hatte, galt es, die Ohren zu spitzen. Die Casting Show begann: Sven Epinard und Harry Sober liessen bitten, es sang, wer siegen wollte.
Ich gestehe es: Eine «richtige» Casting Show habe ich noch nie erlebt. Was mir wohl kaum geschadet hat. Allein schon die Vorstellung, dass es bei «echten» Shows dieser Art derart dämlich-plump zu- und herzugehen pflegt, wie es da im «Staldbach» zu erleben war, lässt mich schaudern. Was den Unterschied zwischen «echtem» und «theatralischem» Casting sein dürfte: Ersteres ist todernst gemeint, das Zweite soll unterhalten.
Unterhaltsam war es wirklich, was die zwei Damen und Herren da boten. Unüberhörbar dabei: Die Stimmen sind stark, die Mimik stimmt also gut gespielt. Sich stets auf neue Räume einstellen, dabei den Esssaal als Bühne benutzen kein einfach Spiel verfasst von Peter Denio das die vier da spielten. Sie taten es übrigens nicht bloss mit viel Einsatz, sondern mit ebenso grossem Spass.
Zurück zum Essen. Die «wunderbar würzige rote Kokossuppe mit Pak-Choi-Gemüse» herrlich wars, Asien im Gaumen spazieren zu führen. Und dass einem auch zwei Morde nicht auf den Magen schlugen der «Staldbach»-Küche sei Dank. Was die beiden Morde zur Folge hatten: Statt fünf Sternchen standen nur noch deren drei im Rennen um den Sieg. Und was dabei am meisten interessierte: Wer knallte da zwei Leute ab?
Griff da die schwangere Fiona zur Waffe? Oder der schier unverwüstliche Johnny Wiederkehr? Opferte vielleicht sogar die Nonne ihr Seelenheil zugunsten zweier Morde? Oder hatte sich die Felizitas zweier Konkurrenten endgültig entledigt? Nun, verraten sei hier die Lösung nicht. Der Grund: Am 10. Oktober (bereits ausverkauft) und am 11. Oktober (nur noch ganz wenige Plätze verfügbar) stehen im «Staldbach» zwei weitere «Killer Castings» auf dem Programm. Und anderen den Spass klauen ist nicht unser Ding.
Immerhin, eines sei hier klargestellt: Sven Epinard war es nicht, der da zur Waffe griff.
Den verzwickten Fall zu lösen dies die Aufgabe, welche auf den Schultern der Kommissarin Caprez lastete. Forsch machte sie sich ans Werk, liess dabei weder das Publikum selbst die Polizei braucht ja ab und zu Hilfe noch ihren ehemaligen Lover unberührt. Und unberührt blieb auch nicht, was da auf den Tisch kam: «Konfierte Kalbsvariation mit Syrahjus, Kartoffelstock mit Safran aus Mund, Marktgemüse».
Klar, dass der Fall letztendlich gelöst und das Dessert genossen wurde. «Valrhona Schokoladen Structura» mundete ganz herrlich. Was die Schauspieltruppe nach «geschlagener Schlacht» besonders erfreute: Die Gäste im «Staldbach» machten fein mit, waren ein «super Publikum», wie man uns bescheinigte. Fein essen und sich mörderisch unterhalten lassen das «Killer Casting» zu verfolgen machte wirklich Spass. Und was mich besonders freute: Selbst als «Partykönig von Niederbipp» hatte ich meine Ruhe, musste also weder singend noch tanzend etwas zur Lösung des Falls beitragen. Andere hatten es nicht so einfach. Nur eine einzige Frau im Publikum sprach mich an: Ich sei ein ganz Hübscher und sie sei Coiffeuse, sagte sie mir. Mordsmässig feines Kompliment, oder?